Angriffe aus der Luft

Thema im Mai

Ob im Kaufhaus, im Auto oder sogar im eigenen Heim: Die Luft ist übervoll mit Gerüchen. Insbesondere auf die künstlichen Aromen reagieren immer mehr Menschen mit Allergien. Bei manchen kommt es sogar zu Asthmaanfällen durch Parfüm.

Der direkte Sinn

Der Geruchssinn kann dem Menschen angenehme Sinneseindrücke vermitteln. Vor allem soll er aber vor Gefahren und Giften warnen. Daneben spielen Gerüche beim Schmecken eine große Rolle.

Düfte sprechen umgehend das limbische System und den Hypothalamus an, den Gehirnbereich, der für Emotionen, Instinkte und Triebe zuständig ist, aber auch Gedächtnisinhalte speichert und Hormone freisetzt.

Es liegt im Trend, die Wirkung von Düften zu nutzen. Dabei ist nicht nur die Aromatherapie gemeint, bei der die heilsamen Aromen ätherischer Öle im Vordergrund stehen, sondern vor allem eine kommerzielle Nutzung von Düften.

In vielen Kaufhäusern werden der Klimaanlage Düfte zugesetzt, um die Kunden in Kauflaune zu bringen. Widerstand dagegen ist zwecklos – mit jedem Atemzug gelangen die Geruchsmoleküle zu den rund 30 Millionen Riechzellen.

Auch aus Reisebüros weiß man, dass mit einem dezenten Hauch von Sonnencreme die Lust auf das Reisen – und vor allem das Buchen – geweckt werden soll. Kaffeedüfte, die noch unterhalb der Wahrnehmungsschwelle liegen, sollen den Appetit auf den Bohnenaufguss so groß werden lassen, dass man ihm sofort nachkommen muss.

Riech- und Duftstoffe

Substanzen, die von der Nase als Geruch wahrnehmbar sind, werden als Riechstoffe bezeichnet. Duftstoffe heißen diejenigen Riechstoffe, die ein angenehmes Empfinden hervorrufen sollen.

Um Wasch-, Pflege- und Reinigungsmitteln einen guten Duft zu versetzen, werden Riechstoffmischungen, so genannte Parfümöle, eingesetzt. Diese können bis zu mehrere hundert verschiedene Riechstoffe enthalten.

Generell setzt sich ein Parfümöl aus den drei Grundbestandteilen Kopf-, Herz- und Basisnote zusammen. Die Kopfnote wird als erste wahrgenommen. Häufig dominieren hier frische Zitrusnoten sowie blumige Düfte.

Die Herznote ist der Dufteindruck, der nach 10 bis 15 Minuten entsteht. Dieser macht den eigentlichen Charakter eines Duftes aus und ist über einen längeren Zeitraum wahrnehmbar. Hier werden häufig blumige Noten mit einer Kombination aus holzigen und würzigen Düften verwendet.

Die Basisnote ist der Bereich, den man am längsten riecht. Typischerweise werden Riechstoffe aus der Gruppe der Balsam-, Moschus- und Vanillearomen verwendet.

Die Duftstoffe in Wasch-, Pflege- und Reinigungsmitteln sollen zum Wohlgefühl der Verbraucher genauso beitragen wie zur Produktidentität. Zudem sollen die Riechstoffe auch eventuell als unangenehm empfundene Eigengerüche der eingesetzten Rohstoffe überdecken.

Allergiegefahr inklusive

Duftstoffe sind mittlerweile nach Nickel die zweithäufigsten Kontaktallergene in Deutschland. Über eine Million Menschen sind hierzulande von einer Duftstoffallergie oder einer Duftstoffunverträglichkeit betroffen.

Das Fatale daran ist, dass sich die Betroffenen meist kaum dagegen wehren können. Duftstoffe werden fast überall eingesetzt, sei es in Parfüms, Wasch- und Reinigungsmitteln, Kosmetika, Shampoos und Duschgelen. Zudem ist die Dauerbeduftung vor allem in öffentlichen Räumen in der Kritik.

Betroffene reagieren mit Kopfschmerz, Übelkeit, Erschöpfung, Schwindel bis hin zu Depressionen auf Duftstoffe. Dabei können sowohl natürliche als auch künstliche Stoffe zu diesen Beschwerden führen.

Dazu kommt, dass ein Duft über 100 verschiedene Stoffe enthalten kann. Insgesamt etwa 3.000 Duftsubstanzen werden bei der Duftherstellung verwendet, viele davon wurden noch gar nicht auf ihre Verträglichkeit geprüft, weil sie in geringen Mengen hergestellt werden.

In Wasch-, Pflege- und Reinigungsmitteln müssen inzwischen 26 Duftstoffe mit allergenem Potenzial gekennzeichnet werden, wenn sie mit einem Gehalt von größer als 0,01 % im Endprodukt enthalten sind. Dazu zählen beispielsweise Geraniol, Linalool, Citronellol oder Eugenol. Eine vollständige Liste findet sich in diesem Faltblatt des Umweltbundesamtes.

Während die Stoffe in Parfüms, Waschmitteln und Kosmetika zumindest einigermaßen bekannt sind, gibt es keine Deklarationspflicht für Duftstoffe z.B. in Kerzen oder Raumbeduftern. Dies kann für Menschen mit einer Duftstoffunverträglichkeit zum Verhängnis werden – genau wie die Beduftung von Kinos, Theatern, Zahnarztpraxen, Kaufhäusern und Co.

Tipps zum Umgang mit Düften

Eine mangelhafte Qualität der Innenraumluft sollte man auf keinen Fall mit Duftstoffen maskieren. Wichtig ist, den Ursachen nachzugehen und etwaige Quellen des schlechten Duftes zu eliminieren.

Nicht abwendbare, kurzfristig wahrnehmbare unangenehme Gerüche lassen sich durch ausreichendes Lüften schnell vermindern. Auch in Toilettenräumen sollte man Geräte oder Mittel zur Raumbeduftung nicht anwenden. Stattdessen sind eine gute Belüftung und regelmäßiges Putzen geeignete Hygienemaßnahmen, um für frische Luft zu sorgen.

Auch Duftstoffe in Staubsaugern oder Abfalleimern sollten nicht genutzt werden. Die unangenehmen Gerüche, die entstehen können, sind ein Warnzeichen für mangelnde Sauberkeit – und sollten nicht künstlich ausgeschaltet werden.

Grundsätzlich sollten nur auf ihre Verträglichkeit für Mensch und Umwelt geprüfte und als unbedenklich erkannte Substanzen zum Einsatz kommen. Daher ist eine umfassende Forschung genauso nötig wie die Aufklärung der Verbraucher.

Werden z.B. Duftstoffe in öffentlichen Räumen eingesetzt, so könnte ein deutlicher Hinweis helfen: “Die Raumluft ist über die Klimaanlage mit Duftstoffen angereichert”. Noch besser ist es, auf diese Raumbeduftung zu verzichten.

Verzichten sollte man auch auf so genannte Duftbäumchen im Auto – vor allem für Raucher können diese Lufterfrischer gefährlich sein. Duftbäume multiplizieren nach neuen Studien das Risiko von Rauchern, an Krebs zu erkranken.

Die individuelle Beduftung sollte ebenfalls auf dem Prüfstand stehen. Manchmal ist weniger deutlich mehr – denn Duftstoffe aus den verschiedenen Pflegeprodukten übertünchen sich nicht gerade selten oder bilden ein für die Mitmenschen ungenießbares Konglomerat.

IFEMEDI, Institut für ernährungsmedizinische Information