Maiglöckchen, Gewöhnliches

Pflanze im Dezember

Pflanze: Convallaria majalis L.
Familie: Maiglöckchengewächse (Convallariaceae)

Giftpflanze!

Das Maiglöckchen ist als Frühlingsbote wohl allgemein bekannt und findet sich als Zierpflanze in vielen Gärten. Wild ist es heimisch in Europa, Kleinasien, China, Japan und Nordamerika. Die kleinen, meist weißen Blüten sind glockenförmig und bilden mit 5 bis 13 Blüten eine Traube. Unverwechselbar ist auch ihr Duft. Vor allem die Blüten aber auch alle anderen Pflanzenteile enthalten herzwirksame Glykoside, die stark giftig wirken.
Da es immer wieder zu Vergiftungen vor allem bei Kindern kommt, wird vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit empfohlen, giftige Pflanzen nicht in Anlagen wachsen zu lassen, die Kindern leicht zugänglich sind.

Herkunft

Das Maiglöckchen stammt ursprünglich aus Europa. In Amerika und Asien wächst die Pflanze mittlerweile auch.

Anwendung

Zubereitungen aus dem Maiglöckchen werden ähnlich dem Fingerhut bei Altersherz, leichter Herzschwäche und Cor pulmonale (= Rechtsherzhypertrophie) angewandt. Das wirksame Prinzip bilden herzwirksame Glykoside, die nur eine geringe therapeutische Breite aufweisen, d.h. dass die erwünschte Wirkung nahe an der toxischen Grenze liegt. Solche Arzneimittel sind noch unter gesetzlichen Übergangsvorschriften erhältlich, da die Untersuchungen zu Qualität, Wirksamkeit und Unbedenklichkeit noch nicht abgeschlossen sind.
Eine nachlassende Herzleistung ist kein Beschwerdebild, das im Rahmen einer Selbstmedikation behandelt werden kann! (s. Hinweis).

Dosierung

Bei Arzneipflanzen, die herzwirksame Glykoside enthalten, ist die therapeutische Breite gering, es sollten daher nur Zubereitungen eingenommen werden, die auf einen bestimmten Gehalt an diesen Wirkstoffen eingestellt sind.

Zubereitungen

In verschiedenen Fertigarzneimitteln enthalten.

Hinweise

Nicht während Schwangerschaft und Stillzeit oder bei Kindern anwenden!

Nicht anwenden, wenn bereits ein anderes Arzneimittel eingenommen wird, das Herzglykoside enthält!

Nicht anwenden bei schwereren Störungen der Herzleistung (Herzinsuffizienz NYHA III und IV)!

Nicht anwenden bei zu langsamen Herzschlag (Bradykardie) oder ventrikulären Tachykardien!

Nicht anwenden bei Störungen des Elektrolythaushalts wie zu hohe Calciumblutspiegel oder zu niedrige Kaliumblutspiegel!

Bei Hyperkalzämie oder Hypokaliämie werden die toxischen Wirkungen verstärkt.

Vor Beginn einer Selbstbehandlung müssen die Beschwerden erst durch einen Arzt abgeklärt werden. Bei der Herzinsuffizienz z.B. handelt es sich um eine ernste Erkrankung, für die wesentlich wirkungsvollere Medikamente zur Verfügung stehen. Zur Vorbeugung oder bei plötzlichen Beschwerden eingenommen sind solche pflanzlichen Zubereitungen nutzlos.

Wechselwirkungen

Gefährliche Wechselwirkungen können bei gleichzeitiger Behandlung mit Medikamenten entstehen, die den Elektrolythaushalt stören können, z.B. Diuretika, best. Abführmittel oder Glucokortikoide oder Medikamente, die auf den Herzschlagrhythmus wirken, wie z.B. Chinidin. Informieren Sie sich vor Behandlung bei Ihrem Arzt oder Apotheker!

Vergiftung

Eine Vergiftung oder Überdosierung äußert sich ähnlich der Digitalisvergiftung (s. Fingerhut) zunächst in Übelkeit, Durchfall, Schwindel, Störungen des Farbsehens und raschem Puls. Schwere Vergiftungen führen zunächst zu Blutdrucksteigerung, dann -abfall und Herzrhythmusstörungen. Der Tod tritt schließlich durch Kammerflimmern ein.
Schwere Vergiftung durch den Verzehr z.B. der Beeren sind glücklicherweise selten, da die herzwirksamen Glykoside durch den Magen-Darmtrakt nur schlecht aufgenommen werden. Eine medizinische Betreuung ist aber in jedem Falle notwendig. Wenden Sie sich im Zweifelsfall an den Giftnotruf!